Nachdem meine Zeit mit IOM vor Weihnachten schon zu Ende war, sind Raudhah und ich erstmal für drei Wochen in Indonesien in Urlaub gefahren. Ziel war die Provinz Maluku - abgesehen von Papua die östlichste Provinz Indonesiens. Die Hauptstadt Ambon ist etwa drei Flugstunden von Jakarta entfernt und folglich ist auch der politische Einfluss begrenzt...
1999 gab es in Ambon extreme Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen. Zwar spricht man im Allgemeinen von religiösen Krawallen, die Einheimischen der Region reden aber eher von Jakarta-gemachten Problemen die in die Religionsschiene gedrückt wurden (
mehr Information). Was ich definitiv beobachten konnte, dass die Stadt weiterhin - trotz formellem Frienden - weitgehend getrennt lebt. Es gibt zwar keine Checkpoints mehr, aber ein "wir-Gefühl" ist mir nicht untergekommen.
Meiner Meinung nach ist Ambon ein überlaufenes Drecksloch. Verglichen mit einem Slum in Jakarta natürlich sauber, aber bei weitem nicht wie Jogja oder andere Städt. Man muss sehr aufpassen, wo man auf der Straße läuft, denn die meisten (ja, die Mehrzahl!!) Kanaldeckel fehlen und somit ist auch der Bürgersteig - wenn es denn einen gibt - bei Stromausfall (2-4 Stunden pro Tag) schlicht unbrauchbar. In Ambon erscheint mir der Verkehr auch deutlich agressiver und rasanter als in Yogya, so dass es keinen Spaß macht durch die Stadt zulaufen. Zudem gibt es auch kaum Sehenswertes...
Dennoch führt an Ambon kein Weg vorbei, wenn man Maluku erkunden will und wie sich später zeigen sollte, hat sich das warten dort auch gelohnt!
Auf der folgenden Karte aber erst einmal ein Überblick worüber ich eigentlich rede. Raudhah und ich haben uns in Jakarta am Flughafen getroffen (romantisch!!) und sind dann gemeinsam nach Ambon geflogen:

Auch wenn das Restaurant reichlich überteuert ist, ist der Blick phantastisch. Allerdings täuscht die Atmosphäre ein wenig, denn es war das erst Mal, dass ich aus dem Tal der Enttäuschung in Ambon zu sein herausgekommen bin. Wie gesagt, mir hat Ambon überhaupt nicht gefallen, aber die schönere Seite hier:

Cafe Panorama
Angenehmerweise hatte ich bei IOM eine Kollegin, die aus Ambon kommt und über Weihnachten auch nach Hause geflogen ist. Leider ist die Reiseplanung im Voraus in Maluku quasi unmöglich, so dass wir es doch nicht geschafft haben die Einladung zum Weihnachtsessen bei ihr daheim anzunehmen. Am 22. sollte unser Boot aus Ambon auslaufen und da sie erst am 22. angekommen ist, hatten wir nur wenige Stunden für einen gemeinsamen Stadtbummel.
Gar nicht so unpassend hat sich die Abfahrt unserer Fähre um 24 Stunden verzögert (wir standen natürlich mit gepacktem Rucksack im Hafen), so dass wir noch gemeinsam einen Tagesausflug über die Insel unternommen haben. Die wenigen Fotos, die wir gemacht haben sind leider auf Raudhahs Digicam und in Singapur...

Rojak (Obstsalat mit salziger Erdnusssoße) am Natsepa Beach
Am 23. hat unsere Fähre dann mit 26 (!) Stunden Verspätung abgelegt mit dem Ziel Bandaneira. Normalerweise fährt auf der Route die große Fähre der staatlichen Gesellschaft Pelni, aber der Fahrplan ist 14-tägig und in der Zwischenzeit wird die Route von einem kleinen Dampfer mit 150 Liegeplätzen bedient. Wir hatten das Glück, dass nur etwa 100 Leute auf dem Boot waren, denn mit 250 Leuten an Bord sind das genau die Fähren, die es gelegentlich auch in westliche Nachrichten schaffen...



MS Gravilla (kein Kreuzfahrtschiff!)

unser Schlafplatz


Land in Sicht (nur noch 4 Stunden!)

An sich ist das Boot ja recht ordentlich gebaut, aber wir haben für die 240km doch sage und schreibe 15 Stunden gebraucht und wenn ich mich nicht irre sind das 9 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit... Erinnert mich an die Zeit der Wikkinger ;-)

Nur der erfahrene Indonesische Seemann beherrscht seine Seile...

Piraten!

Die
Bandainseln oder dem historisch Bewanderten auch als Gewürzinseln bekannt liegen praktisch mitten in der Bandasee und sind heute einmal wöchentlich per Flugzeug (14 Sitze) und per Schiff zu erreichen. Das limitiert auch die Anzahl der Touristen gewaltig, zumal die Flüge gerne wegen schlechtem Wetter oder Motorschaden (Flugzeug ist aus den 70ern) gestrichen werden. Früher als Gewürzinseln besonders für Muskatnuss und die Frucht des Muskatbaums bekannt sind die Bandas heute ein herrliches Tauch- und Schnorchelgebiet!

Benteng Belgica



Raudhah mit (zu) vielen Kindern

umgebautes Kolonialherrenhaus

Der Flughafen, der interessanterweise eine Steigung besitzt kann jeweils nur in eine Richtung benutzt werden: bergauf zum Landen, bergab zum Starten. Das zeigt sich ganz deutlich an den Reifenspuren. Folgerichtig wird der Flug bei falscher Windrichtung gestrichen - logisch, oder?

Den Rest der Zeit ist das Rollfeld eine gewöhnliche Straße, die Osten und Westen der Insel schnell miteinander verbindet (Stadtautobahn) und frei begehbar. Der Zaun am Terminal hält die abholenden Leute lediglich davon ab bei Aussteigen behilflich zu sein (lies: im Weg zu stehen).
Ansonsten ist das Rollfeld auch ein guter Ort zum picknicken und wir haben unsere Weihnachtsflasche Rotwein eben auch auf diesem genießen dürfen...


Mit Weihnachten war das in diesem Jahr so eine Sache. Logisch, dass bei 30°C die Vorfreude auf weiße Festtage begrenzt ist und auch darüber hinaus sind bunt blinkende Plastikbäume nicht genau das, was ich mir unter Weihnachtsbaum vorstellen.
Als wir das Ziel Maluku ins Auge gefasst haben, hatte das in erster Linie drei Gründe: wenig Touristen, Trockenzeit und viele Christen. Während die ersten beiden Punkte aufgegangen sind, ist der letztgenannte Grund eher von limitierter Gültigkeit. Zwar gibt es in Maluku reichlich Christen aber die Mehrheit auf den Bandas ist Muslimisch, so dass ich Heiligabend an der Kirche vor verschlossener Türe stand. Gleiches am ersten Weihnachtstag und Herumfragen brachte mir auch keine Gottesdienstzeiten. Folglich blieb ein üppiges Buffett in unserem Gästehaus und mein kleiner aus Java importierter Weihnachtsbaum:

Jetty Vita Guesthouse BandaNeira
Zwischen den Jahren gab es ein wenig sportliche Betätigung. Der Vulkan "Gunung Api" (was so viel heißt, wie "Vulkan") hat mich dank allabendlichem Blick ausreichend fasziniert, so dass wir uns die 667m nach oben gewagt haben. Das klingt nicht weiter schwierig, ist aber mit leichten Turnschuhen auf einem quasi Geröllhaufen nicht unbedingt tauglich fürs alpine Lehrbuch. Interessanterweise ging der Weg auch nur ausschließlich mit 30-45 Grad Steigung nach oben, ohne auch nur einen Meter ebenerdig zu verlaufen. Kein Wunder also, dass zwei Liter Wasser pro Person für die Halbtagstour eher knapp bemessen waren...
Der Blick hat dafür entschädigt:


Bandaneira mit dem lustigen Airport

der Krater


kalter Lavastrom von 1988

platt, aber froh die Tour gemacht zu haben
Ein Teil unserer Bandazeit haben wir allerdings ohne Digicam im Wasser verbracht. Wie oben schon beschrieben ist das Schnorcheln dort einfach nur traumhaft und wir waren dreimal an verschiedenen Drop-Offs im Wasser: Barrakuda, Mini-Haie, Napoleons, jede Menge bunter Tropenfische, Seesterne, Seeigel waren alle dabei...
Am 29. Dezember sind wir abends mit dem großen staatlichen Pelni Boot von Banda weitergereist auf die Kei Inseln. Mit zwei Deutschen, die mehr oder weniger dieselbe Route verfolgt haben, sind wir in angenehmer 4-Bett Kabine gereist und haben uns erspart, wie die Indonesier auf dem Boden zu schlafen "wo gerade Platz ist". Diese Ekonomi Klasse ist sehr gebräuchlich da billig, aber als Tourist eher anstrengend, da man eine gewisse Neugierde hervorruft. Außerdem kennen die Locals auch schon die besten Plätze auf dem Schiff. Von daher war ich froh den dreifachen Ticketpreis für die zweite Klasse investiert zu haben (erste Klasse in Doppelzimmer) und dort ein langes (!) gemütliches Bett zu haben. Das Schiff ist in Papenburg gebaut worden und fasst insgesamt 2500 Passagiere und Crew (offiziell). Somit hat man das bißchen Wellengang in der Kabine nicht gemerkt. Die Route:


Indonesier sind sich noch nicht so ganz bewusst, dass alles was ins Meer fällt auch irgendwo am Strand angespült wird. Bisher gibt es zwei Praktiken: entweder man schmeißt seinen Müll selber ins Meer (inkl Flaschen und Plastik) oder man wirft ihn in die aufgestellten Mülleimer. Diese werden dann von der Crew - ebenfalls in den ganz großen Mülleimer - entleert.

Im Vergleich zu unserem kleineren Boot hatte dieser Dampfer sogar Rettungsboote sichtbar an Bord. Dennoch war ich froh diese nicht in einer Ernstsituation auf Wartung und Seetauglichkeit testen zu müssen...
In Tual angekommen haben wir uns direkt aufs Motorrad geworfen (lies: Motortaxi) und sind in ein Gästehaus gefahren, das uns bereits von anderen Reisenden auf Banda empfohlen worden war. Schnell deshalb, da zur Jahreswende noch etwa 20 weitere Touristen an Bord waren und sich da die drei Gästehäuser in Strandnähe schnell auffüllen können.
In unserem Gästehaus war leider auch nur noch die große Luxusvilla frei, aber da am nächsten Tag die einfache Villa frei werden sollte war das nicht weiter schlimm. So haben wir uns eben zu viert noch einmal das Drei-Zimmer Ferienhaus geteilt:

unser Bett

das Wohnzimmer

der Strand (kein Müll sondern Biostrandgut)
Unser Gästehaus ist auch kein Gästehaus im eigentlichen Sinne. Vielmehr sind die Coaster Cottages drei Häuser, die einem Chinesen, einem Engländer und einem holländischen Ehepaar gehören und von einer netten Dame aus dem Dorf während deren Abwesenheit vermietet werden. Folglich war die große Villa wirklich echtes Ferienhausfeeling...

der Strand am Neujahrstag


60% der Kei Bevölkerung lebt angeblich auf dem Wasser in der Suche nach Muscheln und Perlen für den Export...

Korallen bei Ebbe

Seestern

indonesische Jungs...

Steine im Wasser
(Foto auf Bildschirm)

Der Blick von der Veranda nach unserem Umzug in die preiswertere Villa... Akzeptabel, oder?


Und wenn man Durst hat, fragt man die netten Kinder einfach nach einer Kokosnuss...

...oder versucht es selber - mit Erfolg!! Sukses!

Raudhah und Jana

Raudhah und Hendrik



Und schon wieder Sonnenuntergang...

Aber nochmal zurück zu dem Strand vor unserer Haustüre...

... ach ...

unsere Villa...


Krebse - zum Abendessen auf dem Tisch!


Extreme Ebbe an einem anderen Strand...

... aber das Wasser kommt stets zurück!

Wäre man jetzt nicht im Ruhestand würde diese evangelische Kirche mit Meerblick vielleicht auch ihre Reize haben...
Ich könnte euch jetzt noch länger mit hunderten solcher Fotos ärgern, aber ihr werdet sicher auch so verstehen können, dass ich nicht traurig über eine sehr ruhige Silvesternach war, in der wir als Einzige ein paar Raketen ins Meer geschossen (und am nächsten morgen wieder eingesammelt!) haben...
Nach 8 Tagen in Kei mit absoluter Erholung (es gab keinerlei Mobilfunkempfang am Strand) gibt es per Flieger zurück - ein kleines Abenteuer:

Ich denke, dass ich mit 24 Jahren schon ein wenig Flugerfahrung aufweisen kann, aber zum ersten Mal habe ich ein handgeschriebenes Ticket in der Hand gehabt! Und es lies sich wahrhaftig gegen einen Boardingpass eintauschen. Vom Flughafen in Langgur (LUV, 1300m Beton) ging es mit Trigana Air Service in einer ATR 42-300 zurück nach Ambon. Eine weitere interessante Flugerfahrung:

Sieht soweit ja noch normal aus...
Bis der Flieger auf dem Rasen zum stehen kommt:

Als Passagiere am Notausgang (der einzige Sitz in den ich mehr oder weniger reingepasst habe) mussten wir uns natürlich mit den Besonderheiten dieser Plätze vertraut machen:




Stewardess - teilt Boxen mit Snacks aus und verschwindet zum Quatschen mit dem Kapitän...


Während des Fluges gab es noch einen schönen Blick auf die Bandas. Wenn ihr das Foto vergrößert, kann man sogar den Flughafen und dahinter Bandaneira sehen... Rechts davon ist der Gunung Api!
Zurück in Ambon gab es zwar weiterhin wenig zu sehen haben mit Jonna von IOM noch ein paar gute Restaurants und Kaffeehäuser. Dennoch waren wir nach 24 Stunden nicht allzu traurig die Stadt zu verlassen und via Surabaya und Jakarta am Abend die Zivilisation von Singapur zu erreichen...
Ende der Impressionen unserer Reise. Generelles Fazit: Maluku ist ein prima Reiseziel, wenn man dem Touristenstrom entfliehen will. Indonesisch ist hilfreich, aber mit gewissen Einschränkungen auch ohne möglich. Ambon ist wenig sehenswert, der Rest aber umso mehr! Also auf ins Abenteuer!! :-))